0:1-Niederlage gegen Grimma

Mitten in den Vorbereitungen zum ersten Heimspiel der Oberligasaison ereilte uns die Nachricht, dass Mark, ein alter Freund und langjähriger Wegbegleiter der Erfordia Ultras, verstorben ist.  Fassungslosigkeit, Resignation, Trauer. Es fällt auch nach zwei Wochen noch schwer in Worte zu fassen, was in unseren Köpfen vor sich ging, als uns die Nachricht erreichte. Schnell wurde klar, dass wir das Spiel gegen Grimma nutzen werden um Mark zu Gedenken. Nachfolgend veröffentlichen wir den Nachruf aus dem Block3, welchen ein langjähriger Freund von Mark verfasst hat und der nicht treffender darlegen könnte wer Mark war, wofür er stand und wofür wir alle ihn mochten. In das Gedenkspruchband für Mark schlichen sich leider 2 eklatante Fehler bzw. Buchstaben aus diesem heraus. Wir wissen, dass du darüber gelacht hättest, Mark! Deine Verrücktheit, deinen Optimismus, dein Lachen und dein Wesen werden wir in Ehren halten!

Ruhe in Frie(de)n, alter Freund!

Nachruf:

Die Kurve schweißt zusammen – egal was passiert. Unfassbar wenn einem die Nachricht ereilt, dass ein Platz in unserer Kurve leer bleiben soll. Ein guter Freund und langjähriger Begleiter ist – plötzlich und tragisch zu gleich – von uns gegangen. Es ist schwer zu fassen, denn dieser Teil wird nie mehr geschlossen. Dort wo Du gestanden hast, ist jetzt der Platz leer und jedes Mal wird es schmerzen, dies zu sehen.

Als mich die Nachricht erreichte das Mark verstorben ist, konnte ich es nicht fassen. Plötzlich war alles um mich herum nicht mehr wichtig, der Alltag trat in den Hintergrund und die Gedanken kreisten in einem tiefen Tal der Emotionen. Auch Stunden nach der Nachricht und bis zum heutigen Tag, ist dieser Verlust schwer zu realisieren. Alles wirkt noch nicht greifbar.

Mark war ein RWE Anhänger durch und durch. Für unseren Club hat er alles gegeben, für mich einer der  Treuesten, den ich in meiner 36jährigen Schlachtenbummlerära kennengelernt habe und mit dem mich eine tiefe Freundschaft verband.

Sicherlich können viele, die Mark kannten, ihre eigene Geschichte mit ihm erzählen – lange, kurze, lustige, traurige und viele mehr.

Mark und ich haben uns irgendwann bei einem Spiel unter der Woche kennengelernt. Genauer am 25. März 1997. Es war ein Flutlichtspiel gegen den VFC Plauen. Auf der Heimfahrt im Zug kamen wir ins Gespräch und nebenbei lernte ich auch die anderen Jungs der Farnrodaer-/ Eisenacher Gruppe kennen. Relativ schnell war klar, wir schwebten auf einer Wellenlänge und ab sofort wurden die nächsten Spiele gemeinsam geplant. Von Montag bis Freitag schnürte uns der Mantel des Alltags. Das Wochenende wurde sehnlichst erwartet, denn diese gehörten dem RWE. Wenn ich zurück denke, haben wir eine wunderbare Zeit gehabt. Die manchmal schier endlosen Touren vom Rostocker Volksstadion, zum Spandauer SV, zu Chemie Velten, an die Oder zu Stahl, in das sagenumwobene Ostragehege, über Stendal nach Eichkamp, von Schönberg, zehenspitzend auf Holzpaletten stehend, zu Fortuna Magdeburg, über Falkenberg/ Elster – Bahnhofskneipe, im düsteren Rauch sitzend, mit Bockwurst und Bier und mit der Zweiten nach Laubegast oder ins Kaffeetäfelchen. Später nach der Neuaufteilung der Regionalliga kamen wir dann  fast durch das ganze Land: von Pfullendorf bis Lübeck, vom Saarland, über Wattenscheid (Blitz, Donner und Wolkenbruch) bis zum Platz Nummer 11. Dann der viel umjubelte Aufstieg in die 2. Bundesliga und später die Zeiten in der 3.Liga.

Gerade im Zusammenhang mit Mark bleiben mir die Spiele gegen den OFC in Offenbach in lebendiger Erinnerung. Die obligatorische Frage bei der Abfahrt: „Ey spielt Ronny, dann gewinnen wir.“ Was soll ich sagen – Mark hatte immer Recht.

Es gibt so viele Dinge die ich schreiben könnte – einige Erlebnisse bleiben unvergessen. Zum Beispiel das Auswärtsspiel gegen den DSC im Ostragehege, an einem Mittwoch im Frühjahr 1999. Etwas Improvisation war nötig, da wir noch arbeiten mussten und relativ spät loskamen. Das Auto war die einzige Möglichkeit noch rechtzeitig in Elbflorenz anzukommen. Mein damaliges Auto, das Mark liebevoll Vaclav getauft hatte, war nicht mehr sehr vertrauenserweckend, halb Schrott. Ein paar Tage vorher hatte es uns etwas stockend nach Berlin in den Jahnsportpark zum Spiel gegen Croatia gebracht und auch wieder zurück, das stimmte uns optimistisch. Wir riskierten es, denn es ging um RWE und unseren Club wollten wir nicht im Stich lassen. Die Hinfahrt verlief ohne Zwischenfälle und wir kamen pünktlich ins Stadion. Leider mussten wir eine 0:2 Niederlage unserer Elf in Kauf nehmen. Aber gegen den DSC sah unsere Elf meistens nicht so gut aus. Für die Rückfahrt waren wir trotz allem optimistisch, doch spätestens bei Karl-Marx-Stadt war es nun vorbei. Dampf überall, der Motor war kurz vor seinem Exodus. Mark hatte die Ruhe weg  und wir überlegten, was zu tun sei. Irgendwann sagte Mark: „Ich bin optimistisch, dass es bis nach Hause klappt.“ Der alte Böhme sprang tatsächlich an und wir schafften es mit 25km/h und mehreren langen Pausen, zum Abkühlen, bis zum Rehhofstübchen in Wutha. Die passende Autowerkstatt zum Entsorgen war gleich in der Nähe, den Vaclav hatte sich leider komplett verabschiedet. Aber Mark mit seinem Optimismus behielt Recht, wir kamen bis nach Hause.

Oder auch die Zugfahrt nach Hütte: Abfahrt irgendwann in der Nacht. Wir stiegen in Eisenach ein, Mark und die Farnrodaer Jungs dann in Wutha. In Seebergen gab Mark fast immer das Signal: „Hey gleich kommt Wandersleben!“ Schals raus- Gesang an. Der Zug hielt in Wandersleben und die Crew war vollständig.  Mit dem Wochenendticket nach Eisenhüttenstadt – das zog sich. In Falkenberg/ Elster gab es damals noch eine Bahnhofskneipe, die etwas knifflig zu erreichen war, alles dort war noch aus dem letzten Jahrhundert, aber sehr gemütlich. Dort gab es Bockwurst mit Bier. Wir wirkten dort immer wie Außerirdische zwischen den dicken Handelsgoldnebelschwarten. Mark sprach mich später immer wieder auf diese morgendliche Stippvisite in Falkenberg an. So was prägt und bleibt unvergesslich. Wir mussten weiter nach Hütte. Ich weiß nicht wie oft wir auf der Hinfahrt umgestiegen sind. In Guben dachten wir: „Gut, dass wir aussteigen, hier scheint die Welt zu Ende zu sein“. Aber es ging weiter. Endlich in Hütte angekommen haben wir das Stadion schnell gefunden. Vor dem Stadion tummelten sich schon Typen in Trainingshosen, die wir nur so nur von Banik Ostrava kannten. Als wir endlich im Gästeblock im Stadion der Hüttenwerker standen, ereilte uns die Nachricht der Mannschaftsbus steht im Stau. Die Mannschaft lies tatsächlich auf sich warten und im Endeffekt sahen wir nur die ersten 30 Minuten, da wir ja irgendwie wieder zurück mussten. Schweren Herzens verließen wir also nach 30 Minuten das Stadion. Die Turnhosenfraktion hatte wohl gerade überlegt was man tun kann und nahm die Verfolgung auf. Die Miliz war nun auch auf Trapp und machte sich etwas lustig, weil wir vor der Turnhosenfraktion kuschten. Was ja nicht so war. Die Zeit drängte, denn der Zug wartete nicht auf uns. Aber Mark nahm sich die Zeit und ging zurück, wir natürlich auch, um den Grünen zu erklären, dass wir nicht wegen der Turnhosenfraktion rannten, sondern wegen unserem Zug. Unvergessen wie er mit den Ordnungstypen diskutierte und die Situation klarstellte. Sehe das Bild heute noch vor mir. Auf solchen Reisen konnten wir Mark immer fragen, er hatte zu jeder Tageszeit geschmierte Käsebrötchen dabei. Das war auf den langen Fahrten immer hilfreich. Einmal bei Hertha 03 bunkerte Mark seinen Rucksack im Unterholz des amerikanischen Sektors. Nach dem Spiel wurde er erfolgreich wieder gefunden und Mark buckelte das schwere Ding zum Bahnhof Zehlendorf. Da wir schon etwas spät waren, mussten wir rennen. Unterwegs hielt Mark zweimal an und verschenkte ein paar Büchsen vom kühlen Nass, hier und dort trotz der Eile noch kurz ein kleines Gespräch. Die eine oder andere Büchse fiel aus dem Rucksack und zerplatzte auf den Straßen Berlins. Der Rucksack war jetzt zwar so gut wie leer, aber Mark erreichte trotz allem zufrieden und glücklich die Bahn. Das war Mark und dafür mochten wir ihn. Er war Punk und hatte seinen Standpunkt. Gerade in den Neunzigern kein Zuckerschlecken, denn oft wurde er wegen seinem Äußerem zur Rede gestellt und angemacht. Aber er zog es durch mit aller Konsequenz.  Dafür hatte er unseren Respekt und wir standen an seiner Seite, wenn es mal brenzliger wurde.

Zuletzt sahen wir uns selten im Stadion, manchmal noch beim Grillen oder Quatschen bei ihm zu Hause in Eisenach, wo er mit seinem treuen Hund „Hebe“ wohnte. Es wurde ruhiger, aber der Kontakt brach nie ab. Immer drehten sich unsere Gespräche am Telefon über unseren RWE. Wir schwelgten in Erinnerungen, denn mit der Zukunft sah es ja bekanntlich nicht rosig aus für unseren Club, aber unsere Hoffnung auf bessere Zeiten haben wir uns immer erhalten.

Mark wir werden Dich nicht vergessen für immer wirst Du in unseren Herzen sein!

Ruhe in Frieden!

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